Die Opfer Rechnung

 Heute habe ich mit meiner langjährigen Freundin Jenny telefoniert.

Wir haben immer wieder mehr oder weniger Kontakt, dennoch sind wir uns sehr verbunden.

Heute erzählte sie mir d. sie sich eine neue Tasche gekauft hat – als sie den Inhalt der Shoppingbag in die neue Handtasche umräumte, fand sie neben Taschentücher und Feuerzeug auch eine Rechnung aus dem Jahr 2022.

Am Ende des Beleges stand die Nummer einer Hotline. Hier würde man Hilfe bekommen wenn man ein Opfer ist.

Jenny meinte:

„Moni, da ist mir so schlecht geworden, es fuhr mir durch Mark und Bein – es versetzte mir wortwörtlich einen Hieb in den Magen.“

Ich fragte „Wieso denn? Das ist doch nichts Schlimmes!“

Sie entgegnete mir „sieht man mir an d. ich ein Opfer war?“

Jetzt überlegte ich – was solle ich antworten – wie sieht denn bitte schön ein Opfer aus? Das ist doch gar nicht pauschal zu sagen….  – ich hoffte d. Gespräch kann ohne meiner Antwort weiter geführt werden.

Gott sei Dank erzählt Jenny weiter:

„Ich bin gleich zum Spiegel gegangen – kannst dir das vorstellen? Tatsächlich wollte ich wissen ob ich „Opfer-artig“ aussehe!

Ich hab mich betrachtet und ja – „Eigentlich sehe ich schon „Opfer artig“ aus. Moni, meinst du das die Kassiererin mir das angesehen hat, was mir geschehen ist und ich deswegen diesen Hinweis auf der Rechnung bekam?“

Jetzt war ich traurig – sie ist doch so eine liebe Frau – warum sie sich solche Gedanken macht?“

Jetzt entgegnete ich „Schau, diese Rechnungen bekamen doch alle – ich habe auch solch Rechnung mit diesem Aufdruck bekommen“

Jenny meinte „Muss ich nun wirklich bei dieser Hotline anrufen, weil ich so dumm war, es zuzulassen? Jetzt soll ich echt dort anrufen, weil ich durch meine naive Liebe zu ihm, mich selbst hintenangestellt habe?“

Ich: „nein Jenny – das ist doch gar nicht so gemeint, nimm dir das nicht so zu Herzen“

Jenny: „Einige Freunde sagten mir damals d. ich selber schuld bin, wenn ich mit so jemanden zusammen bin.“

Es brach nun alles über sie herein – sie offenbarte mir ihre ganzen Sorgen, ihren Kummer, ihr Erlebnis.

Einige, teilte sie mit, meinten d es ihr eh gehört, wenn sie wie Dreck behandelt werde- wer mit solch einer Person zusammen ist muss selbst gestört sein.

Genau diese Worte waren es welche sie erniedrigt und gedemütigt haben- war sie echt selbst schuld?“

Meine Freundin seufzte und meinte schließlich „ ich erzähl dir das einfach jetzt so weiter. Hoffe ich nerve dich nicht damit. Es ist ja schon lang her und eigentlich nicht mehr der Rede wert, oder?

Ich antworte „du kannst mir alles erzählen-ich höre dir zu!“

Jenny fuhr wie folgt fort:

„Mein Ex Freund sagte d.es ganz normal war was er mit mir tat als ich geschlafen habe. Sowas macht man einfach und wenn ich so dumm wäre, es nicht zu bemerken, dann bin ich sowieso selber schuld. Moni, ich hab mich doch tatsächlich leise gefragt, wie oft diese Sache schon geschehen war als ich schlief. Ich sage dir – ihn zu fragten traute ich mich nicht.“

Ich „Das ist furrchtbar – das tut mir so leid – er sollte dafür bestraft werden!“

Jenny: „Er sagte in dieser Nacht d. er mich lieben würde und nahm mich in den Arm. Da war die Welt wieder in Ordnung. Meine Tränen trockneten und ich hatte wieder Hoffnung.“

Ich seufzte – ich wurde immer trauriger und es berührte mich sehr.

Sie fuhr fort – „Alle haben es mir gesagt Moni! Ich wollte aber nicht hören – alle sagten mir d. er mich betrügt. Die Leute sind bestimmt gemein und gönnen uns das Glück nicht, dachte ich damals.“

Ich „Naja, sie haben gehofft d. sie dich in deiner Verliebtheit erreichen. Du trägst dennoch keine Schuld daran!“

Jenny: „Das ärgste war dann noch seine neue Freundin obwohl wir noch zusammen waren. Er stellte sie mir als Arbeitskollegin vor! Ich dumme Kuh holte sogar noch die Drinks in der Disco und lud beide ein!“

Ich „Du hast es ja nur gut gemeint! Es hätte ja auch eine Kollegin sein können“

Jenny „ah Moni – ich war so dumm! So unendlich blöd!“

So oft gab es komische Situationen – Jenny meinte, d. sie daran aber bestimmt die meiste Schuld trug, so gab sie bekannt d. ihm  die Hand ausgerutscht war, sie fand das schlimm – er nicht.

Sie äußerte, d sie sich wohl nicht so aufführen hätte sollen. Im Nachhinein gab sie ihm doch Recht.

Irgendwann hat sie erkannt d. sie daran zu Grunde gehe würde, all ihre Freunde hatten sich zu dem Zeitpunkt schon abgewandt. Auch die Arbeit litt schon darunter.

So nahm Jenny ihren letzten Mut zusammen und ging.

Zum Glück hatte er in dem Moment wieder eine neue Freundin und „benötigte“ sie nicht mehr.

Sie sagte mir, d. er es bestimmt nicht mal bemerkt hatte, als sie an diesem kalten Abend ihre Sachen gepackt hatte und gegangen war.

„Was geschah dann?“ fragte ich sie.

„Mein Leben ging natürlich weiter, angezeigt hat ich ihn nie – ich war ja schließlich selber Schuld und die Beziehung war Gott sei Dank vorbei. So hat es für mich dann doch gut geklappt mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen“.

„Hast du ihn jemals wieder gesehen?“

Jenny antwortete „Nach langer Zeit traf ich ihn wieder –ich fragte ihn warum er all das getan hat und er antwortete „du hast es ja mit dir machen lassen“.

Jenny sprach mit gebrochener Stimme weiter „mein Gott – war ich dumm – ich hatte all dies in größter Hoffnung ertragen da ich glaubte er würde erkennen d. er Fehler gemacht hat und aufhören mich zu verletzten. Sehr hoffte ich d. eines Tages alles gut wird. Ich hab ihn doch so geliebt!“

Ebenso meinte ihr Ex Partner bei der Begegnung zu Jenny „Jenny – ich will es dir erklären! Manche sind prädestiniert Opfer zu sein! Das ist halt so! Es können nicht alle die Macher sein!“

Ich musste schluckten  – diese Aussage zeigt was dieser Mann für ein Mensch ist – Jenny aber merkte meine Bedrücktheit und sprach

„Moni! Ich sag dir was – ich bin kein Opfer und ich war es auch nie!“

Eines hat sie zumindest gelernt – dies will sie mir noch mitteilen

„Ich habe durch ihn gelernt, was ich nicht mehr möchte! Diesbezüglich bin ich ihm direkt dankbar – bestimmt könnte ich durch diese negativen Erfahrungen mein Leben jetzt nicht so schätzen!“

Das war schon bewundernswert – ich wollte wissen warum sie ihn nicht angezeigt hat

Darauf hatte sie eine knappe Antwort „Die Polizei hätte mich doch ausgelacht – ich war ja seine Freundin!“

Ich bedanke mich für das Gespräch und das mir entgegengebrachte Vertrauen.

Als ich später meine WhatsApp-Nachrichten durchsah, sah ich ein Bild von Jenny – es zeigte die Rechnung.

Darunter stand „ich war nicht die Einzige – wir haben ihn alle nicht angezeigt!“

Lang habe ich darüber nachgedacht und ich weiß leider, d. es im Bezirk Melk und überall anders auf dieser Welt, Menschen gibt, die sich in diesen Zeilen wiederfinden.

Das mit dieser Rechnung, ist gut gemeint aber ich würde mich mehr über die Rechnung mit dem Abschnitt

„Du hast Gedanken die dir nicht gut vorkommen – da bist du nicht alleine. Rufe die Nummer ….an. Lass deine Gedanken nicht Taten folgen“ freuen.

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Diese Geschichte mit dem geänderten Namen ist leider wahr und nicht fiktiv – der Ex Partner ist weiterhin auf freien Fuß, er wurde nie zur Rechenschaft gezogen.

Bevor ich diesen Beitrag für euch erstellte, hab ich dies Thema „Gewalt in der Beziehung“ mit einigen Personen meines Vertrauens besprochen.

Eine Person sagte mir „Hinterziehst du Steuern und/oder bestiehlst den Staat dann sitzt ewig im Gefängnis. Tust du jemanden Leid an– hast a paar Monate auf Bewährung – hast einen guten Anwalt ist sogar das Opfer Schuld und wegen Verleumdung oder Rufmord dran. So ist das Leben liebe Moni, sei nicht naiv!“

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Kann das wirklich wahr sein?

Ist das wirklich so?

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