Frau A „Sie haben Ihr Kind aus dem Kindergarten raus genommen?“
Herr B „Ja leider. Er ist ein Risikopatient“
Frau A „Sowas assoziales! Sie nehmen Ihrem Kind ja alle sozialen Kontakte!“
Herr B „Ich will dies auch nicht, wir sehen das unsere Tochter darunter leidet aber eine Infektion mit ihren Vorerkrankungen würde sie eventuell nicht überstehen. Diesbezüglich haben wir mit einigen Ärzten und Spitälern gesprochen!“
Frau A „ Also so ein Blödsinn! Kinder bekommen Corona eh nicht stark. Sie sollten Ihre Meinung überdenken. Sie sperren ja Ihr Kind weg!“
Herr B wendet sich traurig ab – mit dieser Frau kann er nicht über seine Sorgen sprechen. Sie ist eine von vielen die seine Situation nicht versteht, ebenso sein ehemaliger Freund. Dieser rief ihn vor einigen Wochen an.
Er meinte man solle nicht hysterisch sein wegen dieser Corona Pandemie.
Menschen die stark sind würden es schaffen, andere hätten eben Pech gehabt. Er teilte mit, d. dies die Natur auch so regelt und man sich nicht dumm anstellen soll. Herr B. war zutiefst erschüttert und hat seinen Freund gedanklich aus seinen Leben entfernt.
Frau C. hat ihre Kinder aus der Schule genommen. Ihr wird nachgesagt d. sie wohl nicht mit dem Schulsystem zurecht kommt, ebenso nicht mit Männern. Deswegen wäre sie wohl zum 3. mal geschieden.
Ein Kind von ihr wäre sowieso irgendwie„komisch“ und ein „Störenfried“, heißt es im kleinen Ort. Die Pädagogen hätten sich darüber auch schon aufgeregt.
Da sie „eh“ arbeitslos ist, wäre homeschooling für sie ja eh kein Problem, meinte die Nachbarin der geschiedenen Frau.
„Die vom AMS“ sagte ein Mann, „bekämen ja eh alles – noch dazu eine mit 4 Kindern“.
Die Leute in dem kleinen Dorf reden oft über diese Frau, nur wenige wissen, d. sie selbst Hochrisikopatient ist und ihre Tochter ebenso.
Die Familie D. hat ihren Nachwuchs in distance learning „umgestellt“.
Frau D. wurde als ihr ganzer Urlaub aufgebraucht wurde, gekündigt. Sehr wollte sie doch arbeiten – ihr waren die Hände gebunden, da sie ihr 6 jähriges Kind welches sehr krank ist nicht allein zuhause lassen konnte. Sie entschied sich für ihre Kinder, lernt mit der Jüngsten täglich und geht 3x die Woche ins Krankenhaus zur Behandlung.
Der ältere Bruder welcher 13 Jahre alt ist, schafft das Lernen aus der Distanz super. Viel sitzt er vor dem von der Schule zur Verfügung gestellten Laptop. Er lernt mit wenn er online zum Unterricht zugeschalten wird und sieht zumindest hier seine Klassenkameraden/innen. Er ist traurig und zornig d. er zuhause sein muss, gern wäre er auch bei seinen Freunden und in Freiheit.
Verliebt hat er sich auch gerade jetzt in das hübsche Mädchen was er über ein Zoom Meeting kennengelernt hat. Sie würde sich gern treffen, er musste schon wieder den Termin verschieben. „Du siehst das Mädel erst wenn die Pandemie vorbei ist!“ sagt sein Papa immer und der Satz „Wir müssen Sarah jetzt schützen!“ beendet jede Diskussion.
Manchmal abends weint er – er liebt seine kleine Schwester und möchte sie schützen aber er möchte auch wieder ein Leben haben denn er ist gesund.
Er fragt sich oft ob sein Leben weniger wert ist als das seines Geschwisters. Auf alles muss er verzichten nur weil Mama so furchtbare Angst hat.
Oft hört er seine Eltern wegen der Pandemie streiten und Mama weint viel. Ihm tut Mama leid und Sarah mit den blöden Krankheiten natürlich auch.
Vor dem schlafengehen gehen sagt er „lieber Gott! Bitte mach d. Corona endlich weg geht!“ dann schläft er traurig ein.
Und wie geht es Sarah?
Sie gibt sich die Schuld an dem traurigen Zuhause .
Wäre sie und ihre Krankheit nicht dann wären alle glücklich. Gern hätte sie eine Umarmung ihrer Freundinnen aus dem Kindergarten, sie hat diese aber vor 2 Jahren das letzte Mal gesehen.
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Dies sind nur einige Beispiele die ich aufzählen kann – davon gibt es noch mehr.
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Wie sehen wir diese Familien?
Wie geht ihr mit diesem Thema um?
Oder sagt man salopp „ist ja net mein Problem! Zu mir kommt a kein Mensch wenn i krank bin!“
Vergessen wir diese Familien auch?
Ist Vergessen nicht Verdrängen da es angenehmer ist und wir es somit ausblenden?
Wir schieben es weg und plötzlich ist es nicht mehr da….
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Die derzeitig herrschende Pandemie hat schon viel Leid, Wut und Enttäuschung hervorgerufen.
Nun wird das Thema #schattenfamilien ebenso medial behandelt bzw. neu aufgerollt sowie verstärkt um Aufklärung gebeten – der oben eingefügte Text ist mein Beitrag dazu.
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